Wie lässt sich ein zentrales Bedürfnis in eine zeitgenössische, architektonische Formsprache übersetzen? Das Architekturbüro Skop hat sich im Kollektiv vertieft, im Grossen wie in den Details alles mitgedacht, immer wieder justiert und optimiert. Ein Gespräch mit Basil Spiess, Silvia Weibel und Martin Zimmerli über die Herkunft des Projekts sowie die Bedeutung des Naturraums.
Ihr beschreibt das Ryffel Areal als einen «Kleinkosmos am Schlossbach». Was steckt dahinter?
Basil Spiess: Das Areal ist eine Schnittstelle. Alt trifft auf Neu, Stadt auf Grünraum, Gewerbe auf Wohnen. Es sind Kontraste, die zusammen ein Ganzes bilden. Wir wollten diese Dynamik nicht glätten, sondern bewusst ins Projekt einbinden.
Silvia Weibel: Und das Spannende an der Lage ist, dass das Ryffel Areal einerseits sehr zentral gelegen und gleichzeitig etwas versteckt ist. Auf der einen Seite die Bahnhofstrasse und das Stadttreiben, auf der anderen das geheimnisvolle Bachrauschen.
Wie ist das Konzept für das Areal entstanden?
Martin Zimmerli: Immer im Kollektiv, nie alleine. Eine Idee entsteht, wird reflektiert, verworfen, neu zusammengesetzt. Der Prozess ist iterativ. Gerade in der Architektur bedeutet das: ausprobieren, überdenken, optimieren – bis sich alles fügt.
Die Baukörper stehen in einem besonderen Dialog mit der Umgebung. Was war die Leitidee?
S: Der Naturraum mit dem Schlossbach war für uns eine treibende Kraft. Es gibt diesen Moment, in dem sich der urbane Raum öffnet und in eine grüne Oase übergeht. Wir wollten den Freiraum maximieren, den Bach stärker einbinden. Darum fächern sich die Gebäude Richtung Süden auf, öffnen sich zum Wasser und dem alten Baumbestand.
Und die Fassade?
B: Das Holz als nachwachsende Ressource vermittelt eine Lebendigkeit und Tiefe. Durch die fein geriffelte Oberfläche kommt es zu einem schönen Licht-Schatten-Spiel, das Struktur schafft. Kein glatter Ausdruck, sondern einer, der sich organisch anfühlt. Ganz generell wollten wir nah an der Farbgebung bleiben, die die Umgebung mit sich bringt.
Welche Materialien dominieren die Innenräume?
M: Holz und mineralische Materialien – eine hybride Bauweise. Sichtbetondecken stehen in Kontrast zu warmen Holzböden. In der Küche treffen robuste Kunststeinoberflächen auf massive Eichenholzdetails. Es geht um das Zusammenspiel von Texturen, Haptik und darum, gewisse Dinge roh zu lassen.
S: Genau, diese Rohheit spielt auf das ehemalige Gerberei-Areal, auf die Geschichte an. Ausserdem betont der feine Farbakzent in der Küche – das helle Salbeigrün – nochmals die Idee, aus Standard etwas Spezielles zu machen.
Wie spielt Licht eine Rolle?
B: Die Wohnungen sind mehrseitig orientiert, wobei die meisten zwei Balkone haben. Dadurch wirkt es nicht nur heller, sondern es entsteht auch eine Verbindung nach draussen – Lichteinfall und Aussenraumbezug sind maximiert.
Was bedeutet Nachhaltigkeit in diesem Projekt?
M: Beim Bauen wird viel Energie aufgewendet, entsprechend langlebig muss die Architektur sein. Das gelingt ihr nur, wenn sie gleichzeitig alltagstauglich, elegant und robust ist. Wir setzen auf dauerhafte Konstruktionen, aber auch auf erneuerbare Energien mit PV-Anlagen auf den Dächern.
S: Sowie auf ökologische, möglichst regionale Baustoffe. Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft, Recyclingbeton, Dachbegrünung für Regenwasserrückhalt. Ausserdem hat das Projekt eine ausgeklügelte Mobilitätsstrategie mit Car-Sharing, E-Bikes, grosszügigen Veloräumen. Der ökologische Fussabdruck ist klein, die Lebensqualität hoch.
Privatsphäre und Gemeinschaft – wie balanciert ihr das?
M: Die Architektur schafft Räume für beides. Die Wohnungen bieten private Rückzugsorte, gleichzeitig gibt es gemeinsame Aussenräume. Das Zusammenspiel von Nähe und Distanz prägt das gesamte Areal und es lässt den Bewohnenden die Freiheit, am gemeinschaftlichen Leben teilzunehmen oder sich auf den privaten Balkon zurückzuziehen.
Was macht diesen Ort besonders?
S: Er erzählt eine Geschichte. Vom industriellen Erbe bis in die Zukunft. Von urbanem Leben am Schlossbach. Und von Architektur, die nicht nur gebaut, sondern gefühlt werden kann. Schliesslich ist es unser Anliegen, dass der kostbare Boden sinnvoll genutzt wird.